Google Play Books

imageDiverse Quellen teilten mit, dass Google in den Play Book-Reader neue Features integriert hat, was mit den neuesten Partner-Programm-Richtlinien zu tun hat. Zu diesen Features gehört auch die Unterstützung für EPUB3. Viele werden dabei hellhörig, denn die Digital-Publishing Gemeinde wartet seit Veröffentlichung der Standards darauf, dass sich das Format in Technik und am Markt durchsetzt.

In dem Readium-Projekt ist Google das federführende Unternehmen und wird die Implementierung von EPUB3 vorgelegt, sind die Erwartungen natürlich hoch. Bei den Ankündigungen ist immer Vorsicht geboten, denn erst im Test zeigt sich, ob die Software auch das hält, was das Marketing versprochen hat.

Die Umgebung und die Dateien beim Test

In der Version für iOS, wie auch für Chrome in der Browser-Variante wurde Google Play Books beim Test auf dem Windows-Notebook verwendet. Funktional stellen sich beide Versionen dabei als weitgehend identisch heraus. Verschiedene Dateien aus dem EPUB3 Sample Files-Projekt, wie auch unterschiedliche eBooks aus der realen Welt dienten für die verschiedenen EPUB3-Features als Testdateien.

Die eBooks aus der realen Welt waren Digital Publishing, eBook Typography, EPUB3 Best Practises und HTML5 for Publishers. Die zentralen EPUB3-Funktionen können mit Hilfe von diesem Testsortiment gut durchgespielt werden. EPUB3-Dateien können zwar im Play Books Store oder im Apple iBookstore angeboten werden, doch nach ihnen kann nicht gesucht werden. In dem Google Account kann sich jeder allerdings die Möglichkeit zum Upload eigener eBook-Dateien in Play Books zu Nutze machen. Nur über die Browser-Anwendung funktionieren dabei Kauf und Upload von eBooks. Pro Dokument ist der Upload der eigenen Datei auf 50 Megabyte beschränkt.

Die HTML5-Dokumente und EPUB3-Formalia

Wie der Upload-Mechanismus zeigt, werden beim Import EPUB3-Dateien sauber erkannt und sie werden auch so validiert, wie es die Regeln für EPUB3 besagen. Neue Grundstrukturen von EPUB3 wie EPUB Navigation Document und die Manifest-Datei werden sinnvoll behandelt. Mit optimiert werden die Page-List für die Hinterlegung der Paginierung, die Landmarks für die Abbildung der Buchstruktur oder das erweiterte Metadatenmodell, doch sie werden nicht durch Reader-Funktionen unterstützt und nicht angezeigt. Für den Dokument-Content wird auch die Verwendung von HTML5 durchgängig und sauber behandelt.

Als valide werden Dokumente mit HTML5-Doctype erkannt und auf neue Elemente wie aside oder nav funktioniert die Erkennung von CSS-Formatierungen problemlos. Möglich ist zwar durch das EPUB-spezifische epub:type-Attribut die Verwendung von der semantischen Ergänzung von HTML5-Elementen, doch durch Funktionen wird dies an keiner Stelle unterstützt.

Fixed Layouts, CSS-Unterstützung und Gestaltung

Google Play Books macht bezüglich der gestalterischen Möglichkeiten von EPUB3 eine recht gute Figur, denn zur Gestaltung von Textrahmen und Text werden alle zentralen CSS-Eigenschaften unterstützt. Dabei spielt es bei Google Play Books keine Rolle ob die Verwendung von Halbtransparenzen und Farbverläufe oder der Textumfluss um Objekte und Bilder, Schattierungen, Rasterung oder Rahmengestaltung.

Es werden Teilweise auch CSS 3.0-Eigenschaften angewandt, welche laut den EPUB3-Spezifikationen nicht unterstützt werden müssten. Nachdem in die EPUB-Datei auch eigene Webfonts eingebettet werden können, gibt es somit auch für anspruchsvolle Layouts für Reflow EPUBs Gestaltungsmöglichkeiten. Unter Google Play Books funktionieren auch Media Queries, welche Display-Eigenschaften erkennen und der Einbau von Layout-Weichen, welche darauf reagieren. Die fehlende Unterstützung für die mehrspaltigen Layouts ist die einzige wesentliche Lücke bei den Darstellungs-Features.

Von Google Play Books werden auch EPUB3-Dateien unterstützt, welche die Fixed Layout-Variante zur Darstellung verwendet. Möglich sind damit auch Seitengestaltungen mit komplexer Text-Bild-Positionierung und mit festem Aufbau durch fixe Abstands- und Größen-Angaben innerhalb von einem pixelbasiertem Seitenrahmen. Für Content-Produzenten ist allerdings wichtig, dass Google Play Books nur die Fixed Layout-Spezifikationen des IDPF unterstützt, nicht die von Amazon bzw. von Apple. Die Fragmentierung der Ökosysteme in dem Bezug auf Fixed Layout-Dokumente wäre spätestens mit der Implementierung komplett.

Der Bereich Multimedia

Multimedia bedeutet Video- und Audio-Dateien in eBooks. Bei dem Test gibt es in diesem Bereich eine große Enttäuschung, denn es ist keine Unterstützung vorhanden. Eingebettete Multimedia-Dateien werden nicht abgespielt und auch nicht angezeigt. Sind Ersatztexte bei dem Fallback-Mechanismus hinterlegt, dann erscheinen diese nicht. Im Product Backlog war dies wohl eine der Sollbruchstellen für die erste Implementierung und hierbei wird ein bitterer Nachgeschmack hinterlassen. Kindle-Apps und iBooks können die Funktionalität in der Zwischenzeit selbstverständlich unterstützen.

Fehlanzeige sind anspruchsvollere Medien-Funktionen wie Media-Overlays, Vorlese-Funktionen oder Text-To-Speech zur Synchronisation von Textfluss und Audio-Dateien. Für den Upload eigener Dateien sind 50 MB das Größenlimit für e-Books mit Multimedia-Inhalten und dies ist sehr knapp bemessen. Abhängig von der Qualität wird diese Dateigröße bei Vidoe-Content schon mit wenigen Minuten eingebundenem Film erreicht. Google muss viel bei der Infrastruktur und bei der Anwendung tun, damit die Funktionen sinnvoll genutzt werden können.

Die Unterstützung von Javascript

In enhanced eBooks ist die Unterstützung für Javascript für dynamische und interaktive Content-Darstellungen unabdingbar. Bei Google Play Books klafft hier eine große Lücke bei der Umsetzung von EPUB3. Javascript wird nicht dargestellt und ist komplett deaktiviert. Das für EPUB3 zentrale Feature bleibt somit außen vor, doch die Anwendung zeigt zumindest Fallback-Texte an. Die Anwender erfahren somit, dass an der Stelle eine Script-Anwendung wäre.

SVG und MathML

EPUB3 hält für die Integration von komplexen graphischen Inhalten manche Möglichkeiten bereit. Von Google Play Books werden das XML-basierte SVG-Format und der XML-Standard MathML unterstützt. Mathematische Formeln werden somit visualisiert und skalierbare Vektorgrafiken werden dargestellt. Über CSS erfolgt das Styling von SVG und MathML ohne Probleme und sauber. Die fehlende Jacascript-Implementierung macht sich allerdings bemerkbar.

Der WebView-Layover

Google Play Books bietet eine sehr überzeugende Komponente und so werden Internet-Links in EPUB-Texte in einem WebView-Layover in der Anwendung angezeigt und nicht unter Wechsel der Anwendung in einem neuen Browser-Fenster. Beim Lesen gibt es damit verblüffende Effekte und so wird der Medienbruch komplett vermieden und viel mehr werden Web-Inhalte ein Teil von dem eBook.

Fazit:

Bei dem EPUB3-Reader hat sich Google auf Features beschränkt, die für Layout, Darstellung und Anzeige relevant sind. Bei Google Play Books wird allerdings ein zwiespältiger Eindruck hinterlassen, denn funktionale Aspekte wie die Javascript-Unterstützung und die Multimedia-Integration werden außen vor gelassen.

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